Thermovorhänge sind eine der schnellsten Maßnahmen in Mietwohnungen, um kalte Fensterzonen, Zugluft und unangenehme Strahlungskälte zu reduzieren. Sie ersetzen keine Sanierung, aber sie bringen in vielen Altbau- und Nachkriegswohnungen sofort spürbaren Komfort, besonders abends am Sofa oder am Schreibtisch neben dem Fenster.
Damit der Effekt nicht verpufft, müssen Thermovorhänge wie eine „weiche Dichtung“ funktionieren: oben dicht, seitlich überlappend, unten möglichst nah am Boden. Viele hängen sie zu kurz oder zu schmal auf und wundern sich, dass es kaum etwas bringt.
In diesem Artikel bekommst du eine praxisnahe Anleitung mit Maßen, Montagetipps und typischen Fehlern. Fokus: deutsche Wohnrealität mit gängigen Fenstergrößen, Mietrechtstauglichkeit und Materialien aus dem Baumarkt oder Möbelhandel.
Wann Thermovorhänge wirklich helfen (und wann nicht)
Der Nutzen entsteht vor allem durch weniger Kaltluftabfall am Glas und durch die Reduktion der Kaltstrahlung in den Raum. Du „isolierst“ die Fensternische und entkoppelst die Sitzzone von der kalten Oberfläche.
| Situation | Erwartbarer Effekt | Hinweis |
| Altbau mit undichten Rahmen, spürbare Zugluft | hoch | Zusätzlich Dichtband am Rahmen prüfen, sonst zieht es hinter dem Vorhang durch. |
| Doppelt verglaste Fenster, aber große Glasflächen | mittel | Komfortgewinn durch weniger Strahlungskälte, vor allem abends. |
| Feuchteprobleme/Schimmel an Laibungen | kritisch | Nur mit kontrollierter Lüftung und Abstand zum Fenster, sonst Kondensatrisiko. |

So misst du richtig: Breite, Höhe, Überlappung
Breite: lieber zu breit als zu schmal
Der häufigste Fehler ist zu wenig Stoffbreite. Thermovorhänge sollen nicht nur das Glas abdecken, sondern seitlich über den Rahmen hinausreichen. Ziel: seitliche Kaltluftströmungen minimieren.
- Fensterbreite (lichte Öffnung) messen und links und rechts jeweils mindestens 15 bis 25 cm addieren.
- Für sehr zugige Fenster oder große Elemente: je Seite 30 cm einplanen.
- Bei 2 Vorhangbahnen: Überlappung in der Mitte 8 bis 12 cm, damit keine „Kältefuge“ entsteht.
Praxisbeispiel: Fenster 120 cm breit. Sinnvolle Gesamtbreite Vorhang: 120 + 2×20 = 160 cm. Wenn du Faltenwurf willst (und der verbessert nebenbei die Dämmwirkung), nimm 1,5- bis 2-fache Stoffbreite bezogen auf die Stange: also eher 240 bis 320 cm Gesamtstoff (zwei Bahnen).
Höhe: oben dicht, unten bodennah
Für Wärmeschutz zählt die Aufhängungshöhe mehr als viele denken. Je höher die Stange, desto besser wird der Bereich über dem Rahmen mit abgedeckt.
- Stange/Schiene 10 bis 15 cm über dem Fensterrahmen montieren (sofern möglich).
- Vorhang unten 1 bis 2 cm über dem Boden enden lassen. Zu kurz = Kaltluft strömt ungebremst in den Raum.
- Bei Heizkörper unter dem Fenster: Vorhang nicht direkt davor „dicht abschließen“. Plane entweder eine Fensterbanklösung oder arbeite mit seitlicher Abdichtung, sonst staut sich Wärme hinter dem Vorhang.
Montage in Mietwohnungen: Stange, Schiene, Klemmträger
Vorhangschiene an der Decke: am dichtesten
Wenn du wirklich Zugluft stoppen willst, ist eine Deckenmontage oft die beste Lösung: oben bleibt kaum ein Spalt. In Mietwohnungen ist Bohren meist erlaubt, aber kläre es im Zweifel mit dem Vermieter und nutze saubere Dübel passend zum Untergrund.
- Betondecke: 6 mm Dübel, passende Bohrtiefe, Staub absaugen.
- Altbau/Bröselputz: eher in tragfähige Bereiche, ggf. größere Dübel und Unterlegscheiben.
- Gipskarton: Hohlraumdübel (Metall) und Last verteilen, Schiene mit mehreren Punkten fixieren.
Wandstange: unkompliziert, aber oben bleibt oft ein Spalt
Eine klassische Stange ist schnell montiert und flexibel. Für Wärmeeffekt: Stange nahe an die Wand und hoch setzen, damit oben kein „Kaminzug“ entsteht.
- Wandabstand der Träger klein wählen, damit der Vorhang nah am Rahmen läuft.
- Endstücke so wählen, dass der Vorhang bis an die Wand gezogen werden kann.
- Bei sehr kalten Fenstern: eine Schiene mit Überlappung ist besser als Stange ohne Abschluss.
Klemmträger: gut für leichte Stoffe, begrenzt bei schweren Thermostoffen
Klemmträger sind bohrfrei, aber: Viele Thermovorhänge sind schwer (mehrlagig). Prüfe die Traglast. Für maximale Wirkung müssen die Bahnen breit und lang sein, das erhöht das Gewicht.
- Nur nutzen, wenn Rahmen stabil und breit genug ist.
- Regelmäßig nachziehen, sonst rutscht es.
- Bei bodenlangen Lösungen meist unpraktisch, weil die Kraft am Rahmen groß wird.
Materialwahl: Was „Thermo“ wirklich bedeutet
Unter Thermovorhang wird vieles verkauft. Entscheidend ist nicht das Marketing, sondern Aufbau und Verarbeitung.
3 praxistaugliche Varianten
- Mehrlagiger Stoff mit Beschichtung (Blackout-ähnlich): gute Luftdichtigkeit, oft auch Verdunkelung. Kann steifer fallen, auf saubere Nähte achten.
- Gefütterter Dekostoff: wohnlicher Look, gute Faltenbildung. Achte auf ausreichend Gewicht, damit er seitlich nicht „aufbläst“.
- Wollmischgewebe: robust, akustisch angenehm, weniger statisch. Eher höherer Preis, dafür langlebig.
Woran du im Laden sofort erkennst, ob er taugt
- Stoff gegen das Licht halten: Je weniger du siehst, desto weniger Luft geht durch.
- Saum und Seitennähte prüfen: Offene Kanten = Fäden ziehen, Undichtigkeiten.
- Gewicht: Ein zu leichter Stoff flattert, ein schwerer hängt ruhiger und dichtet besser ab.
Seitliche Abdichtung ohne Bastel-Overkill
Der Vorhang kann nur dann effektiv sein, wenn kalte Luft nicht an den Seiten vorbei in den Raum fällt. Du brauchst keine komplizierten Kassetten, aber ein paar Tricks helfen sofort.
Pragmatische Lösungen, die in echten Wohnungen funktionieren
- Überstand einplanen: links/rechts je 20 bis 30 cm über den Rahmen hinaus, damit die Seiten nicht offen sind.
- Vorhang bis zur Wand ziehen: Stange mit Endstücken, die das erlauben, oder Schiene bis in die Ecke.
- Schwere Saumkette oder Bleiband: sorgt dafür, dass der Stoff nicht absteht. Viele Nähereien setzen das günstig ein.
- Magnetband (dezent): Bei metallischen Fensterbänken oder geeigneten Flächen kann Magnetband den Rand anlegen. Vorher testen, ob die Fläche magnetisch ist.
Wichtig: Keine vollflächige „Versiegelung“ am Fenster, wenn du zu Kondensat neigst. Ziel ist Komfort, nicht ein luftdichtes Aquarium.
Heizkörper unter dem Fenster: so vermeidest du Wärmestau
Viele Wohnungen haben den Heizkörper direkt unter dem Fenster. Ein dichter Vorhang kann dann warme Luft hinter dem Vorhang halten. Das fühlt sich am Sofa trotzdem besser an, kann aber die Heizleistung in den Raum verschlechtern.
3 Lösungen je nach Grundriss
- Vorhang endet auf Fensterbankhöhe: Wenn du eine tiefe Fensterbank hast, nutze einen kürzeren Thermovorhang nur über dem Heizkörper. Optisch sauber mit zweiter Deko-Lage kombinierbar.
- Seitliche Abschirmung statt komplett zu: Vorhang bodenlang, aber tagsüber teilweise geöffnet, abends zum Sitzen schließen.
- Konvektionsweg frei lassen: Vorhang so führen, dass er nicht direkt vor dem Heizkörper anliegt (mehr Wandabstand, ggf. zweite Stange).
Kondenswasser und Schimmel vermeiden: Lüftungsroutine und Abstand
Thermovorhänge reduzieren Luftaustausch am Fenster. Das ist der Punkt, aber genau dort entsteht auch Risiko: Feuchte Raumluft kondensiert an kalten Flächen, besonders bei schlecht gedämmten Laibungen.
So nutzt du Thermovorhänge sicher
- Abstand zum Glas: Vorhang nicht direkt ans Fenster pressen, ein kleiner Luftspalt reicht oft.
- Morgens konsequent lüften: 5 bis 10 Minuten Stoßlüften, danach Vorhang wieder schließen.
- Vorhang tagsüber zeitweise öffnen: Gerade nach dem Kochen oder Duschen, damit die Fensterzone abtrocknet.
- Hygrometer nutzen: Zielbereich häufig 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte (je nach Raum und Temperatur).
Budget und Einkauf: Was kostet eine sinnvolle Lösung?
Für deutsche Standardfenster (ca. 120 bis 140 cm breit) brauchst du meist zwei Bahnen, damit du überlappen und trotzdem gut öffnen kannst. Rechne realistisch: Der Effekt kommt über Fläche und Dichte, nicht über Minimalmaß.
- Einsteiger (ca. 60 bis 120 EUR): einfache Thermostoffe, vorhandene Stange, ggf. nur ein Raum.
- Solide (ca. 150 bis 300 EUR): gute Schiene, zwei schwere Bahnen, passende Länge, ggf. Kürzen/Nähen.
- Premium (ab ca. 350 EUR): Wollmischung, Maßanfertigung, Decken-Schiene über Wandbreite.
Spartipp aus der Praxis: Lieber einen Raum richtig machen (Wohnzimmer oder Schlafzimmer) als drei Räume „halb“. Der Komfortgewinn ist dort am größten, wo du lange sitzt oder schläfst.
Schritt-für-Schritt: In 60 Minuten zur spürbaren Verbesserung
- Problemzone festlegen: Wo zieht es oder wo ist es abends unangenehm kalt?
- Breite/Höhe messen: Überstand und Überlappung einplanen.
- Aufhängung wählen: Schiene an Decke für maximale Dichtigkeit, Stange wenn schnell und flexibel.
- Vorhang anpassen: Unterkante 1 bis 2 cm über Boden, Saum ggf. beschweren.
- Test mit Kerze oder Rauch (vorsichtig): Zugluft an den Seiten prüfen und Überstand korrigieren.
- Lüftungsroutine definieren: besonders morgens, damit Fensterzone trocken bleibt.
Typische Fehler, die den Effekt ruinieren
- Zu kurze Vorhänge: Kaltluft läuft unten in den Raum.
- Zu schmale Vorhänge: Seiten bleiben offen, Zugluft bleibt.
- Stange zu weit vor der Wand: Luft zirkuliert ungehindert hinter dem Vorhang.
- Keine Überlappung in der Mitte: Kältefuge genau dort, wo du sie am meisten spürst.
- Dauerhaft geschlossen bei hoher Luftfeuchte: erhöht Kondensat- und Schimmelrisiko.
Praxisszenarien: So sieht eine gute Lösung aus
Altbau-Wohnzimmer, 22 qm, hohe Decken
Decken-Schiene über die gesamte Fensterwand, zwei schwere Bahnen mit Überlappung. Abends geschlossen, tagsüber teilweise offen. Ergebnis: Sofa neben Fenster fühlt sich weniger „kalt abstrahlend“ an.
Schlafzimmer, 14 qm, Fenster neben Bett
Thermovorhang als Verdunkelung plus Wärmepuffer. Wichtig ist bodennah, aber morgens lüften und danach Vorhang kurz offen lassen, damit Laibung trocknet.
Homeoffice am Fenster, Mietwohnung
Wenn der Schreibtisch nicht weg kann: Vorhang tagsüber halb geschlossen, sodass du seitlich abgeschirmt bist, aber Tageslicht reinbekommst. Ergänzend: Teppichläufer in der Fensterzone, damit der Boden nicht auskühlt.
So kombinierst du Thermovorhänge mit anderen schnellen Maßnahmen
Thermovorhänge funktionieren am besten, wenn du die größten Lecks zuerst schließt. Das kostet wenig und bringt oft mehr als noch ein Zentimeter Stoff.
- Dichtband an Fensterrahmen prüfen: poröse Dichtungen ersetzen (selbstklebend).
- Rollladen abends runter: zusätzliche Luftschicht vor dem Glas.
- Teppich in der Fensterzone: weniger „kalter Fußboden“ durch Kaltluftabfall.
- Türspalt zur kalten Diele abdichten: sonst holst du dir den Zug über den Flur.

Podsumowanie
- Vorhangbreite großzügig: Fensterbreite plus 30 bis 60 cm, dazu 1,5- bis 2-fache Stoffbreite für dichte Falten.
- Oben dicht montieren: Schiene an der Decke ist am effektivsten, Stange so hoch und wandnah wie möglich.
- Unten bodennah: 1 bis 2 cm über dem Boden, sonst strömt Kaltluft durch.
- Seitlich abdichten: Überstand, Überlappung, ggf. Saum beschweren.
- Bei Kondensatrisiko: regelmäßig lüften und Fensterzone tagsüber trocknen lassen.
FAQ
Bringen Thermovorhänge wirklich messbar weniger Heizkosten?
Sie können Verluste am Fenster reduzieren, aber der größte Effekt ist meist Komfort. Messbare Einsparung hängt stark von Fensterzustand, Raumtemperatur und Nutzung ab.
Soll der Thermovorhang die Heizung verdecken?
Wenn der Heizkörper unter dem Fenster sitzt, ist dauerhaftes vollständiges Verdecken oft ungünstig. Besser: abends schließen, tagsüber teilöffnen oder auf Fensterbankhöhe enden lassen.
Wie verhindere ich Schimmel hinter dem Vorhang?
Nicht dauerhaft „versiegeln“, morgens stoßlüften, Vorhang zeitweise öffnen und Luftfeuchte im Blick behalten. Bei bekannten Problemstellen Abstand zum Glas lassen.
Welche Aufhängung ist am besten für maximale Wirkung?
Decken-Schiene mit Überlappung ist am dichtesten. Wandstange funktioniert gut, wenn sie hoch, wandnah und mit genügend Seitenüberstand montiert ist.








