Warum ein Raumteiler oft die beste Wohnzimmerrenovierung ohne Renovierung ist
In vielen Wohnungen in Deutschland liegt das Wohnzimmer bei 18 bis 28 m2 und muss gleichzeitig TV-Ecke, Leseplatz, Spielbereich und manchmal sogar Homeoffice aufnehmen. Das Problem ist selten „zu wenig Fläche“, sondern fehlende Struktur. Ein guter Raumteiler schafft Zonen, ohne dass Sie Wände ziehen, Elektrik ändern oder den Vermieter fragen müssen.
Praktisch bedeutet das: Laufwege werden klar, der Raum wirkt ruhiger, Kabel und Kleinkram verschwinden aus dem Blickfeld. Und Sie gewinnen Stellfläche oder Stauraum, wenn der Raumteiler ein Regal ist.
Der entscheidende Punkt ist Planung nach Nutzung. Ein Raumteiler, der nur „schön aussieht“, wird schnell zur Stolperfalle oder Lichtkiller. Unten finden Sie konkrete Varianten, Maße und Fehler, die ich in echten Wohnungen immer wieder sehe.
| Raumteiler | Stärken | Typische Kosten (DE) |
| Offenes Regal (zweiseitig) | Stauraum, zoniert stark, flexibel | 120 bis 450 EUR |
| Vorhang an Decken- oder Schienensystem | Weich, günstig, akustisch hilfreich | 60 bis 250 EUR |
| Lamellen/Leistenwand (freistehend oder geklemmt) | Modern, lichtdurchlässig, optisch leicht | 150 bis 600 EUR |

Vor dem Kauf: 6 Minuten Planung, die Ihnen Fehlkäufe erspart
Bevor Sie irgendetwas bestellen, klären Sie drei Dinge: Laufwege, Blickachsen und Licht. Das klingt theoretisch, ist aber schnell gemacht.
Schritt 1: Laufwege markieren
Als Faustregel im Alltag funktionieren diese Breiten gut:
- Hauptlaufweg (zB Eingang zu Balkon oder Küche): 90 bis 110 cm frei halten.
- Nebenlaufwege (zur Couch, zum Lowboard): 70 bis 90 cm.
- Direkt vor Schränken/Regalen: mindestens 80 cm, damit Türen und Schubladen nutzbar bleiben.
Tipp aus der Praxis: Kleben Sie die geplante Kante des Raumteilers mit Malerkrepp auf den Boden. Leben Sie damit 2 Tage. Wenn Sie ständig ausweichen, ist der Raumteiler zu nah am Laufweg.
Schritt 2: Welche Zone soll „privater“ sein?
Ein Raumteiler kann verstecken oder nur andeuten. Legen Sie fest:
- Homeoffice oder Spielzeugbereich eher abschirmen (Blickschutz).
- Essplatz oder Leseecke eher optisch trennen (Licht bleibt durchlässig).
Schritt 3: Licht und Steckdosen checken
- Steht der Raumteiler vor einem Fenster? Dann nur luftige Lösungen (Lamellen, offenes Regal, halbhoher Raumteiler).
- Steht dahinter eine Zone ohne Deckenlicht? Planen Sie gleich eine Stehleuchte oder eine Wandleuchte mit Steckerkabel ein.
- Denken Sie an Kabelwege: hinter Sockelleisten, in flachen Kabelkanälen oder in einem Kabelschlauch am Regal.
Die 5 besten Raumteiler-Lösungen und wann sie wirklich funktionieren
1) Offenes Regal als Raumteiler: der Klassiker, aber nur mit der richtigen Tiefe
Ein offenes Regal ist ideal, wenn Sie echte Zonen plus Stauraum wollen. In deutschen Wohnungen ist das oft die beste Preis-Leistung, weil es zwei Probleme löst: Ordnung und Raumstruktur.
Maß- und Stabilitätsregeln aus der Praxis:
- Tiefe: 30 bis 40 cm reichen für Bücher, Körbe, Deko. 40 bis 45 cm, wenn auch Ordner oder Technik hinein soll.
- Höhe: 120 bis 160 cm zoniert stark, ohne den Raum zu erschlagen. 180 cm und höher wirkt schnell wie eine Wand und nimmt Licht.
- Kippsicherheit: Bei Kindern oder Haustieren unbedingt an der Wand sichern, falls möglich. Wenn nicht: breitere Basis, schwere untere Fächer (Bücher) und keine „Top-heavy“-Deko.
- Durchsicht: Nutzen Sie Körbe/Boxen nur in 30 bis 50 Prozent der Fächer. Sonst wird es optisch wieder ein Block.
Bewährte Zonierungen:
- Regal quer hinter dem Sofa: trennt Sitzbereich vom Essplatz oder vom Arbeitsplatz.
- Regal als Abschluss einer TV-Wand: versteckt Kabel und Technik seitlich.
- Regal als „Flur-Ersatz“ im Wohnraum: schafft Ankommzone in offenen Grundrissen.
2) Vorhang als Raumteiler: günstig, flexibel, akustisch oft der größte Hebel
Ein Vorhang ist die Lösung, wenn Sie eine Zone zeitweise schließen möchten oder wenn Hall stört (Altbau, viel Glas, wenig Teppiche). Er ist auch ideal in Mietwohnungen, weil Sie mit einer Schiene und wenigen Bohrungen auskommen oder Klemm- und Spannlösungen nutzen können.
So wählen Sie den Vorhang richtig:
- Stoff: schwerer Stoff (zB Samtoptik, dicht gewebte Baumwolle) wirkt wertiger und verbessert Akustik. Leichter Voile trennt nur optisch.
- Breite: Vorhangstoff mindestens 1,8 bis 2,2 mal so breit wie die Strecke, sonst hängt er „sparsam“ und wirkt billig.
- Länge: 1 bis 2 cm über dem Boden ist pflegeleicht. Bodenkontakt sieht edel aus, sammelt aber Staub.
- Schiene: Deckenmontage wirkt ruhiger als Wandstange. Bei niedriger Decke hilft eine schmale Schiene in Weiß.
Typischer Fehler: Vorhang trennt, aber dahinter ist es dunkel. Lösung: Dahinter eine Stehleuchte mit warmweißem Leuchtmittel (2700 bis 3000 K) und ein helles, leichtes Wandbild oder Spiegel, damit die Zone nicht wie „Abstellkammer“ wirkt.
3) Lamellen oder Leistenwand: Zonierung ohne Lichtverlust
Lamellen sind ideal, wenn Sie optisch trennen wollen, aber Tageslicht und Raumgefühl behalten möchten. In der Praxis funktionieren sie besonders gut zwischen Wohnzimmer und Arbeitsplatz oder zwischen Essplatz und Sofa.
Worauf es ankommt:
- Lamellenabstand: 2 bis 4 cm Abstand wirkt ruhig, lässt aber noch Durchblick zu.
- Farbe: Eiche hell oder Weiß verzeiht Staub und passt zu vielen Böden. Schwarz sieht stark aus, wirkt aber schnell hart in kleinen Räumen.
- Montage: Freistehende Systeme sind mietfreundlicher. Geklemmte Systeme brauchen saubere Decke und Boden, sonst wackeln sie.
- Pflege: Staub wöchentlich mit Staubwedel oder Bürstenaufsatz am Staubsauger, sonst wirken Lamellen schnell „grau“.
4) Sideboard plus Paravent: schnell, wenn Sie keine Bohrmaschine anfassen wollen
Für sehr flexible Grundrisse (zB wenn Besuch kommt, Kinder spielen, Homeoffice nur manchmal) funktioniert die Kombination aus niedrigem Möbel und leichtem Sichtschutz erstaunlich gut.
- Sideboard (80 bis 120 cm hoch) gibt Abstellfläche, versteckt Kabel und lädt optisch den Raumteiler „unten“.
- Paravent dahinter liefert Blickschutz, kann aber in 30 Sekunden weg.
Wichtig: Paravents kippen leicht. Stellen Sie ihn so, dass mindestens ein Flügel an Wand oder Möbel anliegt. Bei Kindern: eher vermeiden oder mit schwerer Basis arbeiten.
5) Pflanzen als Raumteiler: schön, aber nur mit planbarer Pflege
Pflanzen zonieren weich und verbessern das Raumgefühl. Als echter Raumteiler taugen sie, wenn Sie die Pflege realistisch einschätzen und ein stabiles Setup bauen.
Praktisches Setup:
- 2 bis 3 große Töpfe (zB 24 bis 30 cm) in einer Linie oder auf einem langen Pflanzenboard.
- Untersetzer mit Rollen, wenn Sie häufig putzen oder den Raum umstellen.
- Eine Pflanzenleuchte, wenn die Zone nicht am Fenster liegt.
Realitätscheck: Wenn Sie schon bei Zimmerpflanzen im Alltag kämpfen, nehmen Sie lieber 1 große, robuste Pflanze und ergänzen mit Regal oder Vorhang. Ein halbtoter Pflanzensichtschutz sieht immer nach Provisorium aus.
Konkrete Layouts für typische deutsche Wohnzimmer (18 bis 28 m2)
Layout A: Sofa trennt vom Essplatz - Regal hinter dem Sofa
Häufig in 2-Zimmer-Wohnungen: Wohnzimmer mit Essplatz am Fenster. Lösung: Sofa so stellen, dass es Richtung TV zeigt, dahinter ein Regal als sanfte Grenze zum Esstisch.
- Zwischen Sofa-Rücken und Regal: 5 bis 10 cm Luft für Gardinen, Reinigung, Kabel.
- Esstischzone: mindestens 90 cm Durchgang zur Küche.
- Regal nicht höher als 140 bis 160 cm, damit der Raum offen bleibt.
Layout B: Homeoffice im Wohnzimmer - Vorhang als „Arbeitsmodus“
Wenn der Schreibtisch im Wohnzimmer steht, stört vor allem die visuelle Unruhe. Vorhang auf Schiene, bei Feierabend zuziehen, fertig.
- Schreibtisch so platzieren, dass Tageslicht seitlich kommt (Blendung im Call vermeiden).
- Vorhang als Hintergrund im Videocall: einfarbig, matte Struktur, keine harten Muster.
- Akustik: Vorhang plus Teppich unter dem Schreibtisch reduziert Hall deutlich.
Layout C: TV-Ecke verstecken - Lamellen als optischer Filter
Wenn Sie den Fernseher nicht als „Hauptmotiv“ im Raum wollen: Lamellen seitlich versetzt vor die TV-Ecke, sodass Kabel und Technik nicht frontal sichtbar sind, aber Luft zirkuliert und IR-Signale meist funktionieren.
- Lamellen nicht direkt vor den Lautsprechern, sonst klingt es dumpf.
- Für Soundbar: Öffnung nach vorne frei lassen.
- Kabelkanal in Wandfarbe hinter Lamellen führen.

Material, Farben, Pflege: damit der Raumteiler nicht „nachträglich“ wirkt
Farben: lieber mit Boden und großen Möbeln harmonisieren
- Wenn Boden warm (Eiche, Buche): Raumteiler in warmem Weiß, Greige oder hellem Holz wirkt ruhig.
- Wenn Boden kühl (grau, Betonoptik): Schwarz, Anthrazit oder Esche passt, aber mit Textilien aufwärmen.
- Bei bunten Wänden: Raumteiler neutral halten, sonst wird es unruhig.
Oberflächen: was im Alltag nervt, wird schnell gehasst
- Hochglanz zeigt Fingerabdrücke und Kratzer, gerade bei Raumteilern im Durchgang.
- Offene Regale brauchen Staubstrategie: Körbe für Kleinteile, nicht alles offen.
- Textile Vorhänge regelmäßig ausschütteln und 2 bis 4 mal pro Jahr waschen (je nach Staub und Haustieren).
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
Fehler 1: Raumteiler zu massiv, Raum wirkt kleiner
Lösung: halbhoch (120 bis 160 cm), lichtdurchlässig (Lamellen, Regal) oder Vorhang, der tagsüber offen bleibt.
Fehler 2: Laufweg wird zum Slalom
Lösung: mindestens 90 cm im Hauptweg freihalten. Wenn das nicht geht, ist der Raumteiler an der falschen Stelle oder zu tief.
Fehler 3: Hinter dem Raumteiler entsteht eine dunkle „Ecke“
Lösung: Lichtplanung direkt mitmachen. Eine Stehleuchte oder eine Wandleuchte mit Steckerkabel kostet oft weniger als der Raumteiler selbst, macht aber den Unterschied.
Fehler 4: Raumteiler wackelt oder kippt
Lösung: breite Basis, Gewicht unten, bei Regalen Wandfixierung, wenn möglich. Bei freistehenden Lamellen: Herstellerangaben zu Deckenhöhe und Klemmkraft ernst nehmen.
Podsumowanie
- Laufwege zuerst planen: Hauptweg 90 bis 110 cm, sonst wird es unpraktisch.
- Entscheiden Sie: Blickschutz (Regal, dichter Vorhang) oder nur Zonierung (Lamellen, halbhohe Elemente).
- Regal als Raumteiler: 30 bis 40 cm Tiefe, 120 bis 160 cm Höhe sind in vielen Wohnzimmern ideal.
- Vorhang ist der günstigste Raumteiler und verbessert oft die Akustik am stärksten.
- Lamellen trennen ohne Lichtverlust, brauchen aber regelmäßige Staubpflege.
- Licht hinter dem Raumteiler mitplanen, sonst wirkt die Zone wie Abstellfläche.
FAQ
Welcher Raumteiler ist am besten für eine Mietwohnung?
Vorhang an Schiene (wenige Bohrungen) oder freistehende Regale/Lamellen. Achten Sie auf rückstandsfreie Lösungen und kippsichere Aufstellung.
Wie hoch sollte ein Raumteiler im Wohnzimmer sein?
Für eine klare Zone ohne Lichtverlust sind 120 bis 160 cm praxistauglich. Ab 180 cm wirkt es schnell wie eine Wand und macht den Raum dunkler.
Kann ich ein Regal frei im Raum als Raumteiler stellen?
Ja, wenn es stabil ist und nicht kippen kann. Ideal sind Regale mit breiter Basis oder Systeme, die an Wand oder Decke gesichert werden können. Bei Kindern lieber zusätzlich sichern.
Wie verhindere ich, dass ein Raumteiler den Raum unruhig macht?
Begrenzen Sie offene Deko, nutzen Sie Körbe für Kleinkram und stimmen Sie Farbe und Material auf Boden und große Möbel ab. Weniger unterschiedliche Oberflächen wirkt sofort ruhiger.








